„Bei dem, was ich mache, fühle ich mich frei“ – Youn Sun Nah

Foto von Sängerin Youn Sun Nah
Foto von Sängerin Youn Sun Nah im abgebildeten Artikel: Stephane de Sakutin/AFP/Getty Images

Youn Sun Nah hat durch ihren einzigartigen Gesang voller Nuancen, Gefühl und Intensität Europa und Korea erobert. Mit ihrem zehnten Album „Immersion“ wagt die innovative Multistilistin nun den Schritt in die USA.

Auf der Bühne ist Youn Sun Nah vieles, romantisch, sensibel, tragisch, vom Schicksal gebeutelt, aufbrausend, gefährlich, abenteuerlustig, neckisch, gleichzeitig publikumsnah und rätselhaft. Im Interview sieht man von all dem kaum etwas. Einige Stunden vor einem Konzert im Mai in der Münchner Muffathalle sitzt sie in einer nahen Hotellounge, zugewandt, freundlich, ein wenig zurückhaltend. Nur wenn sie lacht, lässt sich etwas von der Emotionalität erahnen, mit der sie ihr Publikum bei ihren Auftritten so beeindruckt. Im März hat die südkoreanische Sängerin, die derzeit in New York lebt, ihr zehntes Studioalbum „Immersion“ veröffentlicht. Dafür wechselte sie nach der jahrelangen, erfolgreichen Kooperation mit der Münchner Musikfirma Act zum größeren Label Warner Music. Es ist ihr erster direkter Schritt in den amerikanischen Markt. Prognosen über den Verlauf mag sie nicht abgeben, selbst wenn die Chancen gut stehen.

Die Musikerin mit den charmanten Grübchen hat über Jahrzehnte ihren ganz eigenen Gesangsstil entwickelt. Es wäre anders gewesen, hätte sie sich mit Anfang zwanzig für Musicals und klassische Konzerte entschieden. Die Bühnen Südkoreas standen der Tochter einer Musical-Sängerin und eines Chorleiters offen. Begeistert für die Kultur Frankreichs, die dortige Literatur, die sie in Seoul studiert hatte, und die Chansons von Édith Piaf, Jacques Brel und Léo Ferré zog sie statt dessen nach Paris. Dort entdeckte sie viel mehr als sie gedacht hätte, die Melodien Indiens, die komplexe Rhythmik Afrikas, Weltmusik in allen Facetten, internationale Singer-Songwriter, zahlreiche Variationen elektronischer und Popmusik. Die für sie ungewohnt vielfältige Szene vergleicht sie mit einem Basar voller Gewürze und Speisen. „Für mich war das: ,Oh! Das möchte ich probieren! Das muss ich mir anhören! Die möchte ich kennenlernen!“, erinnert sie sich. Noch heute, nach fünfundzwanzig Jahren, hat sie manchmal das Gefühl, sie hätte all das gerade erst entdeckt. Eine der wohl wichtigsten Begegnungen war die mit dem Jazz. Als sie die Namen berühmter US-Jazzer wie Ella Fitzgerald und John Coltrane hörte, notierte sie sich diese erst einmal auf Koreanisch. Diese Musik zog sie an, mit ihrer Freiheit, der Improvisation, der besonderen Phrasierung. Sie studierte sie am Centre d’Informations Musicales. Aber Scatten wie Jazz-Ikone Fitzgerald, das war nichts für Nah. Sänger und Dozent Thierry Péala riet ihr, ihre eigene Stimme zu entwickeln. Dabei integrierte die Künstlerin buchstäblich alles, was ihr an Gesang begegnete.

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Das vollständige Porträt ist in Cicero 9/2019 veröffentlicht worden.

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