„Die einzige Wahrheit ist die des Musikmachens“ – Sebastian Sternal

Fotos von Sebastian Sternal im abgebildeten Zeitschriftenartikel
Fotos von Sebastian Sternal im abgebildeten Zeitschriftenartikel: Sebastian Sternal am Klavier (Foto: Manfred Rinderspacher), Duo Sebastian Sternal und Fred Köster (Foto: Stefanie Marcus)

Jazz und klassische Musik mit manchmal filmischem Charakter – mit seiner Symphonic Society erspielte sich der Kölner Pianist und Komponist Sebastian Sternal, 32, in den letzten Jahren einen prominenten Platz in der deutschen Musikszene, versteht sich zugleich aber auch auf die Kunst der kleinen Formation in Duo oder Trio. Engagiert und umsichtig nimmt er seine Rolle wahr, als Professor und Dozent junge Jazzer in ihren Anfängen zu begleiten.

Ein bisschen zeigen sich die Augenringe, aber wirklich nur ein bisschen. Ansonsten sitzt Pianist und Komponist Sebastian Sternal, 32, an diesem Februarvormittag erstaunlich wach in der Lounge des Schwabinger Hotels La Maison. Er hat sich für das Interview tapfer aus dem Bett gekämpft, in das er irgendwann in den Morgenstunden gefallen war. Wenn Freund und Mitmusiker Frederik Köster im Lustspielhaus einen Preis bekommt, können die Feierlichkeiten mit den Veranstaltern schon mal dauern. Da braucht es gar keinen Karneval, wie er gerade zu Hause in Köln auf Hochtouren trubelt. Dem sei er zwar gerade in jungen Jahren auch nicht ganz entronnen, bekennt Sternal grinsend. Aber allzu groß auf dem Schirm hat er diese urköllsche Tradition nun seit Langem nicht mehr. Im näheren Umfeld machte er die Dinge ebenfalls schon früh ein bisschen anders. Mit einem Vater, der eine Berufsschule leitet, einer Mutter, die an einer unterrichtet, und einer jüngeren Schwester, die am Gymnasium lehrt, wurde er der einzige Berufsmusiker in der Familie. Aber: er hält die Kunst des Lehrens dennoch hoch, hat inzwischen selbst eine Professur in seiner Heimatstadt Mainz und einen Lehrauftrag in Köln. Sonst allerdings ist Sternal als Jazzpianist und Komponist in unterschiedlichen Ensembles unterwegs. Eine Reihe spannender Duos stellte er in den letzten Jahren zusammen, suchte sich mal ein Gegenüber am Bass, mal am Saxofon, jüngst an der Trompete. Ein besonderer, lebendiger Austausch, der viele Freiheiten lässt für Interaktion und Improvisation. Das spricht einen wesentlichen Teil dessen an, was Sternal am Musizieren schätzt. „Die Zweier-Konstellation im Duo hat mir schon immer Spaß gemacht, weil man da sehr direkt kommunizieren kann.“ Der Pianist spielt als derjenige am Harmonieinstrument mit den großen Klangmöglichkeiten so feinsinnig und zurückgenommen, dass sich sein jeweiliges Gegenüber ausgezeichnet entfalten kann.

In seinem Kontrastensemble versammeln sich elf Musiker, darunter Jazzer wie auch klassische Streicher. Es sind zugleich langjährige Freunde, die zusammen eine ganz andere Seite von Sternals Musik widerspiegeln. Das ist diejenige, die ihn schon am längsten beschäftigt, ihm in der Jugend einen Grund gab, das bis dahin mäßig interessiert gespielte Piano als wirklich bedeutsamen Teil seiner kreativen Welt zu entdecken. „Damals interessierte mich besonders Filmmusik. Besonders beeindruckt war ich von den Soundtracks, die John Williams für einige Steven Spielberg-Filme, und auch für andere Blockbuster, komponierte. Ich versuchte oft, daraus Stücke am Piano nachzuspielen, bastelte mir aber auch schon eigene Bausteine zusammen.“ Heute lassen sich szenische Untermalungen und dramaturgische Spannungsbögen nachvollziehen in der Musik des großen Ensembles, deren Klang und Gestalt insgesamt gleichermaßen klassischen wie jazzig-improvisatorischen Charakter hat. So hat sich Sternals Jugendtraum, Filmkomponist zu werden, doch auf eine Art erfüllt. Es passt zu dem ruhigen, schlanken Mann mit der randlosen Brille, der sich ohne Weiteres auch als IT-Spezialist ausgeben könnte, dass er eine für ihn so wichtige Inspiration gerade vom Bildschirm bezog. Filmmusik erwies sich als noch weitaus spannender als das, was der junge Musiker von klein auf von seinem Vater gehört hatte. Der nämlich saß in seiner Freizeit selbst gern mal am Klavier, um Popmusik der 1960er bis 1980er Jahre zu spielen, etwa von den Beatles oder Sting. Dass der junge Sebastian im Alter von etwa elf Jahren eine neue musikalische Hauptbetätigungszone entdeckte, ist seinem damaligen Musiklehrer Johannes Korth zu verdanken. Er drückte seinem Schüler ein Real Book of Jazz in die Hand und empfahl ihm Platten. Ein Glücksfall also, dass trotz der traditionellen Stadtteilgegnerschaft zwischen Finten und Gonsenheim, eine Art Mainz gegen Wiesbaden im Kleinformat, der gebürtige Fintener Sternal die Musikschule in Gonsenheim besuchte.

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Der vollständige Artikel ist erschienen in PianoNews 4/2016 (Juli-August).

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